Die ersten Tage
Diese Seite ist für Sie, wenn es gerade passiert ist. Ich schreibe hier nicht auf, was Sie tun sollen. Ich schreibe auf, wie es mir ging – damit Sie wissen, dass Sie nicht der Einzige sind, dem es so geht.
Was ich in den ersten Tagen gefühlt habe
Zuerst nichts. Das ist mir am meisten in Erinnerung geblieben: nicht die Verzweiflung, sondern die Leere davor. Der Arzt hatte es gesagt, und es kam nicht an. Ich habe an die Äpfel gedacht, die noch am Baum hingen. An meine Bewerbung nach Australien. An alles Mögliche, nur nicht an das, was er gesagt hatte.
Dann kam es an. Nicht an einem Tag, sondern in Wellen. Morgens beim Aufwachen, wenn man für eine Sekunde vergessen hat. Beim ersten Mal, wenn jemand einen wäscht. Beim ersten Besuch, bei dem alle so tun, als wäre alles wie immer.
Was ich damals gebraucht hätte
Nicht mehr Informationen. Die kamen von allen Seiten, und ich konnte sie nicht aufnehmen. Ich hätte einen Menschen gebraucht, der im Rollstuhl in mein Zimmer kommt und sagt: Ich kenne das. Ich bin auch so dagelegen. Und ich bin jetzt hier. Diesen Menschen gab es 1984 in Cottbus nicht. Deshalb gibt es diese Seite.
Was in den ersten Wochen normal ist
Dass Sie nicht weiterleben wollen. Dass Sie wütend auf Menschen sind, die Ihnen helfen. Dass Sie sich schämen für Dinge, die Ihr Körper jetzt tut oder nicht mehr tut. Dass Sie nachts nicht schlafen und tagsüber nicht wach sind. Dass Sie Ihre Angehörigen wegschicken und sich gleichzeitig wünschen, sie würden bleiben. Das alles ist keine Schwäche. Es ist die einzige ehrliche Reaktion auf das, was passiert ist.
Was ich Ihnen nicht sagen werde
Dass es besser wird. Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass es bei mir anders wurde – erst schlimmer, dann anders, dann irgendwann meins. Das hat Monate gedauert, und ehrlich gesagt Jahre. Ich sage Ihnen das, weil ich damals jedem misstraut habe, der mir Hoffnung versprochen hat. Ich verspreche Ihnen nichts. Ich bin nur da.
Zur Einordnung
Ich teile Erfahrungen – keine ärztlichen, therapeutischen oder rechtlichen Empfehlungen. Bei medizinischen Fragen sprechen Sie bitte mit Ihrem Behandlungsteam.
Wenn Sie mir schreiben möchten
Sie müssen keine Frage haben. Sie können auch nur schreiben, dass Sie diese Seite gelesen haben. Ich antworte. Und wenn Sie lieber nur lesen, ohne zu schreiben: Auch das ist in Ordnung. Dafür ist die Seite da.
Sie müssen keine Frage haben.
Sie müssen keine Frage haben. Sie können auch nur schreiben, dass Sie diese Seite gelesen haben. Ich antworte innerhalb von ein, zwei Tagen.
Wenn Sie gerade nicht mehr weiterwissen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 – kostenfrei, rund um die Uhr. Ich bin kein Ersatz dafür, aber ich bin auch da.