Für Angehörige
Ich war der, der im Bett lag. Später war ich der, der am Bett saß, als meine Frau krank wurde. Ich weiß nicht, welche Rolle schwerer ist. Ich weiß, dass für die zweite niemand fragt, wie es einem geht.
Was ich als Betroffener von meinen Angehörigen gebraucht habe
Dass sie da waren, ohne etwas zu wollen. Meine Mutter hat mich nach Berlin-Buch nicht mit Ratschlägen besucht, sondern mit Essen und Schweigen. Meine Kollegen haben mich nicht gefragt, ob ich wiederkomme. Sie haben den Schreibtisch freigehalten.
Und dass sie mich nicht vor mir selbst gerettet haben. Ich musste Dinge ausprobieren und scheitern – beim Transfer, beim Anziehen, beim ersten Mal allein draußen. Jedes Mal, wenn mir jemand zu früh geholfen hat, war es gut gemeint und hat mich ein Stück kleiner gemacht.
Was ich Ihnen als Angehörigem sagen möchte
Sie dürfen erschöpft sein. Sie dürfen wütend sein, auch auf den Menschen im Bett. Sie dürfen Angst haben, dass Ihr gemeinsames Leben vorbei ist. Nichts davon macht Sie zu einem schlechten Menschen. Es macht Sie zu jemandem, dem gerade dasselbe passiert ist, nur ohne Krankenzimmer.
Sie müssen nicht alles regeln. Anträge, Kassen, Reha-Plätze – das kommt, und es lässt sich lernen. Was sich nicht nachholen lässt, ist die Zeit, in der Sie einfach nur da waren. Dieser Satz klingt wie ein Kalenderspruch. Ich meine ihn wörtlich.
Was Betroffene sich wünschen
Nach dem, was ich erlebt und in dreißig Jahren gehört habe:
- Dass über sie nicht hinweg entschieden wird, auch nicht aus Liebe.
- Dass der Alltag zurückkommt: Streit, Kochen, Fernsehen, Pläne.
- Dass man ihnen etwas zutraut, bevor sie es sich selbst zutrauen.
- Dass Angehörige ehrlich sagen, wenn es ihnen zu viel wird – statt es zu verstecken.
Auch für Angehörige da
Pflegestützpunkte, die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) und die Selbsthilfekontaktstelle Cottbus beraten auch Angehörige kostenfrei. Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, schreiben Sie mir – ich sage Ihnen, wer in Ihrer Nähe zuständig ist.
Wenn Sie mir schreiben möchten
Angehörige schreiben mir oft zuerst, weil der Betroffene noch nicht kann. Das ist gut so. Sie müssen nicht in seinem Namen sprechen. Sprechen Sie in Ihrem.
Auch Angehörige dürfen schreiben.
Sie müssen keine Frage haben. Sie können auch nur schreiben, dass Sie diese Seite gelesen haben. Ich antworte innerhalb von ein, zwei Tagen.
Wenn Sie gerade nicht mehr weiterwissen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 – kostenfrei, rund um die Uhr. Ich bin kein Ersatz dafür, aber ich bin auch da.