Fragen

Fragen, die ich damals hatte

Manche davon habe ich niemandem gestellt, weil ich mich geschämt habe. Manche habe ich gestellt und keine ehrliche Antwort bekommen. Hier sind sie, mit dem, was ich heute darauf sagen würde. Es sind meine Antworten, keine allgemeingültigen.

Werde ich jemals wieder laufen?

Bei mir: nein. Der Arzt hat das am ersten Tag gesagt, und er hatte recht. Ich habe trotzdem Jahre gebraucht, um aufzuhören, insgeheim darauf zu warten. Wenn Ihnen jemand sagt, es sei noch offen, dann ist es offen. Wenn jemand sagt, es sei entschieden, dann dürfen Sie trotzdem trauern, so lange Sie brauchen.

Werde ich wieder arbeiten können?

Ich war acht Monate nach dem Sturz wieder im Büro. Nicht, weil ich stark war, sondern weil meine Kollegen den Platz freigehalten haben und ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte. Später habe ich ein Reha-Center gegründet und es über dreißig Jahre geführt. Ich sage das nicht, damit Sie sich unter Druck setzen. Ich sage es, weil ich damals fest geglaubt habe, dass es vorbei ist.

Wird mich jemand so lieben?

Ich habe meine spätere Frau vier Jahre nach dem Unfall kennengelernt. Sie hat mich nie anders gekannt als im Rollstuhl. Wir waren über dreißig Jahre verheiratet. Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass es Ihnen so geht. Ich kann Ihnen sagen, dass die Frage, ob man liebenswert ist, nichts mit dem Stuhl zu tun hat.

Was sage ich meinen Kindern?

Meine Töchter waren zehn und sechs. Sie waren in dieser Zeit meine wichtigste Unterstützung – und ich habe ihnen trotzdem zu wenig gesagt, weil ich selbst nichts wusste. Heute würde ich sagen: die Wahrheit, in kleinen Stücken, und immer wieder. Kinder halten mehr aus als Schweigen.

Werde ich jemals wieder allein sein können – ohne Hilfe?

Ja. Das dauert, und es ist der Teil, über den niemand gern spricht: Blase, Darm, Haut, Transfer. Ich habe das alles gelernt, in Berlin-Buch und danach zu Hause, mit vielen Rückschlägen. Es wird Routine. Nicht schön, aber Routine. Wenn Sie darüber mit jemandem reden wollen, der nicht Ihr Arzt ist: Dafür bin ich da.

Wie soll ich das alles bezahlen – Rollstuhl, Wohnung, Auto?

Das ist die Frage, bei der ich Ihnen wirklich helfen kann, weil ich sie über dreißig Jahre lang beruflich beantwortet habe. Aber nicht heute. In den ersten Wochen zahlt die Krankenkasse, was nötig ist, und die Klinik stellt die Anträge. Alles Weitere hat Zeit. Wenn es so weit ist, schreiben Sie mir, dann gehen wir es zusammen durch.

Warum ich?

Ich weiß es nicht. Ich habe die Frage jahrelang gestellt und keine Antwort bekommen. Irgendwann habe ich aufgehört, sie zu stellen, nicht weil ich eine Antwort hatte, sondern weil ich anfing, andere Fragen zu haben. Das war der Anfang.

Ihre Frage ist nicht dabei?

Dann stellen Sie sie mir. Es gibt keine, die ich nicht schon selbst hatte oder in dreißig Jahren gehört habe.

Zur Einordnung

Ich teile Erfahrungen – keine ärztlichen, therapeutischen oder rechtlichen Empfehlungen. Bei medizinischen Fragen sprechen Sie bitte mit Ihrem Behandlungsteam.

Ihre Frage ist nicht dabei? Stellen Sie sie mir.

Sie müssen keine Frage haben. Sie können auch nur schreiben, dass Sie diese Seite gelesen haben. Ich antworte innerhalb von ein, zwei Tagen.

Wenn Sie gerade nicht mehr weiterwissen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 – kostenfrei, rund um die Uhr. Ich bin kein Ersatz dafür, aber ich bin auch da.